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Arbeitstag blanker Horror

Finger weg! Der Alptraum eines Arbeitstages …

Der amerikanische Investor Warren Buffett ist bekanntlich einer der erfolgreichsten Geschäftsleute und einer der reichsten Menschen der Welt. Überraschenderweise schreibt er über sich und seinen Geschäftspartner Charlie Munger:

„Wir haben nicht gelernt, schwierige Probleme im Geschäftsleben zu lösen. Was wir gelernt haben: sie zu vermeiden.“

Dieser Satz hat mich regelrecht elektrisiert, weil er meine Einstellung exakt auf den Punkt bringt: Wenn es um Erfolg geht, dann tauchen auffällig oft Begriffe wie Fokus, Konzentration und Zielverpflichtung auf. Aber zum Erfolg gehört auch das Gegenteil, nämlich zu wissen, was man nicht will.

Was ist dein Alptraum-Szenario?

Als ich vor 22 Jahren meinen Job in der Beratung kündigte und mich selbständig machte, hatte ich keinen Masterplan und keine Metaziele. Ich wollte nicht innerhalb von fünf Jahren europaweit expandieren und in spätestens fünfzehn Jahren die Weltherrschaft übernehmen. Ich wollte eigentlich überhaupt keine selbstgestellten Mega-Ziele bewältigen, sondern wusste viel genauer, was ich NICHT wollte.

Anders ausgedrückt: Ich hatte noch keine Klarheit über das große JA. Doch was ich vermeiden wollte, zu was ich laut und deutlich NEIN sagen wollte, darüber hatte ich eine sehr hohe Klarheit.

Ich habe mich gefragt: Wie würde mein schlimmster-Alptraum-Arbeitstag aussehen?

Meine ganz persönliche Finger-Weg-Liste:

1. Lange An- und Abfahrt zum Büro inklusive im Stau stehen
Bloß nicht! Also war klar, dass ich mein Büro an den Wohnort verlegen würde. Dabei bleibt es bis heute: Aus dem Wiener Dachgeschoss ist mein Büro über Heidelberg nach Hamburg gewandert.

2. Ein Arbeitstag, der randvoll mit Meetings ist
Also gibt es bei mir keine Treffen mit Kunden oder Partnern, die nicht auch per Videocall oder Mail erledigt werden können. Diese Calls oder Mails bündle ich zu bestimmten Kernzeiten.

3. Auf Netzwerkveranstaltungen rumstehen, um potenzielle Kunden zu akquirieren
Du wirst mich nicht auf Messen oder Netzwerkveranstaltungen sehen. Niemals. Menschen werden auf mich aufmerksam durch meine Bücher, Kolumnen, Interviews, unseren Backstage Report und natürlich auch, indem sie mich live auf einer Vortragsbühne sehen.

4. Mit Menschen zu tun haben, die ich nicht mag oder denen ich nicht vertraue
Auch wenn ich „nur“ ein blödes Gefühl habe: Wer mir nicht geheuer ist oder mit wem es ganz einfach nicht passt, mit dem will ich nicht zusammenarbeiten. Das ist ein absolutes Ausschlusskriterium. Punkt.

5. Fremdbestimmt sein
Wozu sollte ich das volle geschäftliche Risiko tragen, wenn ich am Ende dann doch abhängig von anderen wäre? Also habe ich prinzipiell keine Teilhaber . Keine stillen Gesellschafter. Kein Advisory Board. Ich behalte die Kontrolle über mein Geschäft.

Wenn ich heute all diese Finger-weg-Prinzipien, die ich damals gefunden habe, auf einen Satz verdichten würde, dann wäre das: Damit ich das tun kann, was mir große Freude macht, ordne ich mein Leben nicht meinem Geschäft unter, sondern umgekehrt: Das Geschäft richtet sich nach meinem Leben.

Um Missverständnissen vorzubeugen:  Das ist meine ganz persönliche Liste mit meinen Präferenzen. Deine Liste mag vollkommen anders aussehen – und das ist auch gut so.

Spielraumsuche

Natürlich ist mir klar, dass es einfacher ist, die Rahmenbedingungen festzulegen, wenn man selbst die Chefin ist. Aber selbst wenn du nicht alle Dinge in deinem Arbeitsalltag vermeiden kannst, die dich nerven, ist es trotzdem eine gute Idee, sehr gründlich darüber nachzudenken, was du tatsächlich vermeiden k-a-n-n-s-t.

Denn jede*r hat einen Gestaltungsspielraum. Jede*r! – Einige haben einen ziemlich großen oder einige nur einen kleinen Spielraum. Aber dieser Gestaltungsspielraum ist da. Oftmals ist er viel größer als wir uns selbst eingestehen. Und den solltest du nutzen!

Noch ein letzter Punkt: Einen Gestaltungsspielraum hast du auf jeden Fall – und zwar den, dir einen Job oder eine Aufgabe mit Gestaltungsspielraum zu suchen. Wenn dein Arbeitstag randvoll ist mit Dingen, die du gerne vermeiden würdest, aber aufgrund äußerer Gegebenheiten nicht vermeiden kannst, dann wäre es vielleicht an der Zeit, sich ein ganz neues Ziel zu setzen: Nämlich das Ziel, einen neuen Job zu finden, der besser zur persönlichen Finger-weg-Liste passt. Also kein Alptraum für dich ist. Und somit deinen alten Job für jemanden freizumachen, der ihn mehr mag als du.