In meiner Keynote für die Führungskräfte und Top-Potentials einer Schweizer Bank habe ich über ein Thema gesprochen, das alle kennen und trotzdem regelmäßig missverstanden wird:
Delegation.
Viele Führungskräfte haben gelernt zu delegieren.
Mühsam.
Manche mit innerem Widerstand.
Und irgendwann klappt es dann auch endlich.
Ein paar Aufgaben werden aus dem massiven Block der eigenen Verantwortlichkeit herausgelöst und an Mitarbeitende übergeben. Begleitet von einer unausgesprochenen, aber sehr klaren Botschaft:
„Macht es bitte genau so, wie ich es gemacht hätte.“
Das Team lernt schnell.
Allerdings nicht, wie man entscheidet.
Sondern, was der Führungskraft gefällt.
Und damit beginnt ein bekanntes Muster.
Rückfragen.
Absicherungen.
Meetings, in denen weniger über Inhalte gesprochen wird als über die Frage: „Trägt das die Führung mit?“
Jede Entscheidung wird rückversichert.
Jedes Detail abgesegnet.
Und am Ende ist die Führungskraft stärker eingebunden als zuvor.
Delegation spart keine Zeit – sie kostet sie. Willkommen in der Welt von: Please the boss.
In vielen Organisationen bedeutet Delegation vor allem eines: Die Aufgabe geht weg. Die Kontrolle bleibt.
Natürlich klingt Vertrauen gut. Bis jemand eine Aufgabe anders löst, als man selbst es getan hätte.
Genau hier wird Delegation anspruchsvoll. Und genau hier entscheidet sich Führung. Was ich in meinen Vorträgen immer wieder betone: Es braucht Mut, Menschen nicht nur Aufgaben, sondern Autorität zu übertragen. Die Autorität, Entscheidungen auf ihre eigene Weise zu treffen.
Nicht, weil das risikofrei ist.
Sondern weil es der einzige Weg ist, echte Verantwortung entstehen zu lassen.
Delegation ist kein Effizienztrick. Sie ist ein Vertrauensvorschuss.
Und sie wirkt nur dann, wenn Führungskräfte bereit sind, Kontrolle bewusst loszulassen – auch dann, wenn der Weg ein anderer ist als der eigene.
Und ja: Es lohnt sich.
Die Frage, die ich in meinen Vorträgen immer mal wieder stelle – und die ich hier weitergebe: Wie viel Autonomie lässt du wirklich zu?
Bei anderen.
Und bei dir selbst?



